Sonstiger friedenserhaltender Auslandsdienst

bild : Sonstiger friedenserhaltender Auslandsdienst

Sonstiger schwedischer militärischer friedenserhaltender Auslandsdienst

Der Koreakrieg

Im Koreakrieg von 1950-1953 war die UNO eine Konfliktpartei und Schweden nahm mit Sanitätsverbänden teil, die jedoch nicht von der Kriegsmacht organisiert wurden. Nach einem Waffenstillstandabkommen wurde eine Kontrollkommission eingerichtet, um die Einhaltung des Abkommens zu überwachen. Insgesamt haben 914 Personen dort Dienst geleistet, heute sind noch vier Schweden vor Ort.

Jugoslawien

Im ehemaligen Jugoslawien wurde eine neue Ära eingeleitet, als die NATO sanktioniert von den UNO anfing, friedensfördernde, oder besser gesagt, friedenserzwingende Operationen durchzuführen. Diese waren zwei Flugoffensiven 1993 und 1994 sowie eine Seeblockade im Adriatischen Meer 1995. Diese Maßnahmen führten im Dezember 1995 zum Friedensvertrag.
Im Jahr 1995 erhielt die NATO für das Eingreifen mit einer multinationalen Bodentruppe in Bosnien das Einverständnis der UNO. Für die schwedischen Soldaten bedeutete das, dass sie ihre blauen Baskenmützen gegen hellbraune tauschten und dass ihre weißen Fahrzeuge grün lackiert wurden. Die Veränderung sollte u. a. beinhalten, dass ein schwedischer Brigadegeneral den Befehl über eine NATO-Brigade führen musste.
Insgesamt leisteten bis 1996 ca. 8200 Personen im ehemaligen Jugoslawien Dienst. Von ihnen kam ein Mann ums Leben.

Kosovo

Im Kosovo im südlichen Serbien brachen 1999 Gefechte zwischen Serben und Albanern aus. Die NATO griff mit einer Flugoffensive ein, die nach zwei Monaten bewirkte, dass die Serben zum Rückzug gezwungen wurden. Nach dem Ende des Waffenstillstandsabkommens setzte die NATO auch Bodentruppen ein. An diesen war zunächst ein schwedisches mechanisiertes Bataillon beteiligt, das 2004 auf eine verstärkte Kompanie verkleinert wurde, die sich noch immer vor Ort befindet.
Ungefähr gleichzeitig sollte die EU eine Rolle als sicherheitspolitischer Akteur spielen. Während der Operationen in Bosnien, Mazedonien und im Kosovo veränderte sich das Muster für die friedensfördernden Operationen. Die reinen UNO-Einsätze, an denen Schweden mit ganzen Bataillonsverbänden teilnahm, werden heute immer öfter durch die NATO und die EU ersetzt. Schweden trägt immer öfter mit mehreren aber kleineren Verbänden bei.
Im Kosovo haben bislang ca. 10700 Personen Dienst geleistet. Vier von ihnen sind gefallen. Heute befinden sich 358 Schweden im Kosovo im Einsatz.

Afghanistan

Im Herbst 2001 stimmte die UNO zu, dass die NATO der afghanischen Regierung bei der Aufrechterhaltung von Stabilität und Sicherheit insbesondere rund um die Hauptstadt Kabul unterstützte. Zunächst nahm Schweden mit einem Nachrichtenzug von 30 Mann teil, doch die Beteiligung wurde 2005-2006 u. a. durch die Anti-Terror- und Spezialeinheit SSG ausgeweitet.
Insgesamt haben jetzt 900 Schweden in Afghanistan Dienst geleistet, zwei von ihnen sind umgekommen. Derzeit befinden sich 348 Schweden in Afghanistan.

Golf von Aden

Seit 15. Mai 2009 nimmt Schweden in einer marinen Operation im Golf von Aden teil. Die Operation ist von der EU angeführt und hat die Aufgabe, die Schiffe mit Proviant und Le-bensmitteln von dem World Food UN Programm zu schützen. Drei Schiffe von der schwedi-schen Marine, die Korvetten HMS Malmö und HMS Stockholm und das Unterstützungsschiff HMS Trossö, beschützen die UNO-Schiffe vor Piraten, die Schiffe unter ihre Macht bringen und Lösegeld fordern. Zusammen sind 152 Personen mit Einschluss von Sondertruppen im Einsatz. Bisher konnten zwei Piratenangriffe abgewehrt werden.

Heute

Zum Zeitpunkt der Entstehung dieses Textes befindet sich schwedisches Militärpersonal ab-gesehen vom Kosovo, Afghanistan und dem Tschad auch in Auslandseinsätzen in Äthiopien und Eritrea, Georgien, Indien und Pakistan, dem Nahen Osten, Nepal und Sudan. Der Großteil davon leistet als Beobachter Dienst. Insgesamt verrichten ca. 847 Personen, darunter ca. 70 Frauen, Auslandsdienst.

Todesopfer

Die Gesamtzahl an gefallenen Schweden im militärischen Auslandsdienst seit 1948 beläuft sich auf 78 Personen.

Anmerkung

Diese Darstellung ist nicht umfassend, eine Reihe verschiedener kleinerer Operationen und Aufträge sind nicht aufgeführt, auch die Auslandstätigkeit der schwedischen Zivilpolizei wird nicht behandelt.
Ferner muss beachtet werden, wie sich das schwedische Engagement und die Zielsetzung der UNO von friedenserhaltend zu zumindest teilweise friedenserzwingend entwickelt haben. Man muss auch beachten, wie sich der Auslandsdienst nach den letzten 10-15 Jahren militärischer Abrüstung zu einer der wichtigsten Aufgaben, wenn nicht der wichtigsten von Försvarsmakten, den schwedischen Streitkräften, entwickelt hat.

Quellen
Utlandsstyrkan i fredens tjänst (Stockholm 2007)
Uppdrag utland (FHS, Stockholm 2007)
Website von Försvarsmakten