Friedenserhaltender Auslandsdienst in den UN

bild : Friedenserhaltender Auslandsdienst in den UN

Schwedischer militärischer friedenserhaltender Auslandsdienst im Zeitalter der Vereinten Nationen

Von friedenserhaltend bis friedenserzwingend

Palästina

Die von Anfang an sehr aktive Mitgliedschaft Schwedens in den neu gebildeten Vereinten Nationen sollte kontinuierliche Auslandsaufträge mit sich bringen. Die erste friedenserhaltende Operation der UN war der Palästinakonflikt 1948. Schweden sandte vom ersten Anfang an militärische Beobachter und solche Beobachter sind seit dieser Zeit vor Ort. Der erste Vermittler war Graf Folke Bernadotte, Neffe von König Gustav V. Bernadotte wurde am 17. September 1948 von israelischen Terroristen ermordet.
Derzeit leisten 7 Personen in der UNTSO Dienst. Insgesamt haben über 1 060 Schweden dort Dienst geleistet, wovon 4 gefallen sind.

Kaschmir

Der Konflikt zwischen Pakistan und Indien über die Provinz Kaschmir dauert seit 1950 an. Schwedische Offiziere verrichten seither in Kaschmir Dienst. Derzeit verrichten 6 Schweden dort Dienst, insgesamt waren über 260 Personen dort.

Andere Beobachteraufträge

Schwedische unbewaffnete Beobachter waren ferner vor Ort in u. A. Griechenland, Libanon (einschl. Flugzeugverbände), Neuguinea, Jemen, Iran, Irak, Afghanistan, Zentralamerika, Kuwait, Angola, El Salvador, Georgien, Mosambik, dem früheren Jugoslawien und Guatemala.

Suez-Gaza

Infolge der Suezkrise und des Krieges zwischen Israel und Ägypten 1956 beschlossen die UN die Einrichtung einer einsatzbereiten Friedenstruppe mit 6 000 Mann. Die schwedische Regierung beschloss bereits zwei Tage vor der Entscheidung der Generalversammlung eine Militärtruppe zur Verfügung zu stellen. Die Operation wurde zur ersten Operation der UN mit einer organisierten Militärtruppe und mit der ersten Auslandstruppe Schwedens, die auf freiwilliger Basis rekrutiert worden war. Die Truppenstärke im sog. „Bataillon“ betrug zunächst 320 Mann. Während des Großteils der Operation war das Bataillon im sog. Gaza-Streifen aufgestellt. Als der Krieg im Nahen Osten 1967 ausbrach, wurde das Bataillon evakuiert. Insgesamt leisteten 12 160 Schweden in dieser Operation Dienst, wovon 13 umkamen.
In dem Zusammenhang ist es interessant festzustellen, das das schwedische Oberkommando eine positive Haltung gegenüber einem schwedischen Auslandseinsatz hatte, ausgenommen der damalige Oberbefehlshaber des Heeres, Bonde. Er war der Ansicht, dass das auf die Dauer sowohl personell als auch materiell an den schwedischen Ressourcen zehren würde. Zu einer solchen Situation kam es bereits 1963 und allmählich in Bosnien zu Beginn der 1990er Jahre.

Kongo

Als das ehemalige belgische Kongo 1960 selbstständig wurde, brachen Unruhen aus. Um einen Bürgerkrieg zu verhindern, setzten die UN nach und nach 20 000 Mann ein. Die Operation wurde von 30 verschiedenen Ländern durchgeführt. Das schwedische Bataillon in Gaza wurde schnell in die Provinz Katanga verlegt und später von einem neu rekrutierten Bataillon abgelöst. Der friedenserhaltende Einsatz eskalierte allmählich zu einem friedenserzwingenden Einsatz und das schwedische Bataillon sollte an relativ schweren Gefechten teilnehmen, die bis Neujahr 1963 andauerten. Das Bataillon war damals auch für den Schutz eines Flüchtlingslagers mit 40 000 Menschen verantwortlich. Schweden trug auch mit einem einstweilig eingerichteten Fluggeschwader, F 21, mit neun SAAB J 29 „Tunnan“ bei.  Die Operation im Kongo wurde 1964 abgeschlossen. Insgesamt verrichteten ca. 6 330 Schweden, inklusive Transportmitarbeitern und technischem Personal bei dieser Operation Dienst. Von ihnen kamen 16 Personen um.
Die umfangreiche Operation machte mehrere der Probleme der UN deutlich, u. a. was die Führung, die zivil-militärische Zusammenarbeit, politische Ziele und finanzielle Ressourcen angeht. In Schweden scheinen die Regierung und der Reichstag das Ziel der Operationen nie in Frage gestellt zu haben. Es kam auch zu anderen Problemen, z. B. mit schwedischen Soldaten, die sich im Friedensdienst zu einer Art „Spielzeugsoldaten” entwickelten. 

Folgende Operationen der UN wurden mit weniger intensiven Einsätzen durchgeführt

Zypern

Im Dezember 1963 brachen auf Zypern zwischen griechischen und türkischen Zyprioten Kämpfe aus, was die UN zu dem Beschluss veranlasste, eine friedenserhaltende Truppe auf die Insel zu entsenden. Auf Druck seitens der UN beschloss Schweden ein weiteres schwedisches Bataillon von 955 Mann zu rekrutieren, das im Frühjahr 1964 in schwierigem Gelände auf Westzypern Dienst verrichten sollte. Es ist bemerkenswert, dass Schweden zu diesem Zeitpunkt gleichzeitig drei Bataillone (Gaza, Kongo und Zypern) im Auslandseinsatz hatte – ein schwedischer Rekord.
Das Bataillon auf Zypern erhielt ein großes zu überwachendes Gebiet mit 35 Posten, die mit patrouillierenden Spähpanzern (sog. „KP-bilar“, Karosserie-Panzer-Wägen) ergänzt wurden. Im Spätsommer verschärfte sich die Situation und schwedische Truppen gerieten mitten zwischen die sich bekämpfenden Parteien und wurden gezwungen türkische Zivilbevölkerung zu evakuieren. In dieser Lage fanden griechisch-zypriotische Soldaten heraus, dass einzelne Schweden Waffen an die türkischen Zyprioten schmuggelten. Die Schuldigen wurden bestraft, bestimmte Offiziere wurden ausgetauscht, die Disziplin wurde erhöht und das schwedische Bataillon wurde in das Famagustagebiet verlagert. 
Die folgenden Jahre verliefen ruhig, doch 1974 übernahmen die griechischen Zyprioten die Macht, woraufhin die Türkei auf der Insel einmarschierte und den Nordteil besetzte. Die Schweden gerieten mitten ins Kampfgebiet, doch allmählich stabilisierte sich die Lage. Da über lange Zeit hinweg keine politischen Fortschritte gemacht wurden, wurde das Bataillon auf Wunsch der schwedischen Regierung 1987 nach Hause geholt. Zwischen 20 und 30 Personen, vor allem Polizisten, Militärpolizisten und Stabspersonal verrichteten unter der Regie der UN bis 1991 weiterhin Dienst auf Zypern. 
Von 1964 bis 1991 verrichteten fast 28 000 schwedische Männer und Frauen Dienst auf Zypern. In dieser Zeit kamen 17 Schweden um.

Sinai

Im Oktober 1973 griffen Ägypten und Syrien überraschend Israel an. Nach einem kurzen Krieg gelang es der UN einen Waffenstillstand zustande zu bringen und eine friedenserhaltende Truppe zum Zweck einer Überwachung des Waffenstillstands zu organisieren. Später kam u. a. die Aufgabe hinzu die von der UN eingerichteten Pufferzonen mit Personal zu besetzen. Schweden willigte ein, dass das Bataillon auf Zypern vorübergehend auf den Sinai verlagert werden sollte, wo es nahezu unmittelbar um noch ein weiteres Bataillon erweitert wurde. Die Situation war zu mehreren Zeitpunkten sehr angespannt, insbesondere im November 1973, als Ägypter und Israelis einander mehrere Stunden lang über die Köpfe von Schweden in mehreren Posten hinweg beschossen. 
Die Operation auf dem Sinai wurde nach dem Friedensschluss zwischen Ägypten und Israel 1980 abgeschlossen. Während dieses Zeitraums stellte Schweden elf Bataillone mit insgesamt 7 642 Personen zur Verfügung. Zwei Schweden kamen um.

Libanon

Im März 1978 führte die PLO einen Kommando-Raid nach Nordisrael hinein durch. Als Vergeltung griff die israelische Armee an und besetzte dann den südlichen Libanon. Die UN forderten Israel auf seine Truppen zurückzuziehen und setzten eine UN-Truppe mit der Aufgabe ein, die Räumung zu überwachen und wieder friedliche Verhältnisse herzustellen. Ein schwedisches Kontingent von 250 Mann aus dem Sinaibataillon nahm an der ersten Phase der Operation teil. Die Truppe erhielt schwierige Aufgaben und wurde gezwungen, diese unter harten Bedingungen zu lösen. Man geriet unter schweren Beschuss und erlitt Verluste als ein Wagen auf eine Mine fuhr. Der Einsatz dauerte acht Wochen.
Im August 1980 stellte Schweden den UN ein Feldlazarett zur Verfügung. Es wurde im südlichen Libanon stationiert und im Dezember mit weiteren schwedischen Verbänden ergänzt, so dass die Truppe auf ein 500 Personen starkes Versorgungsbataillon heranwuchs. Dieses Bataillon blieb im Libanon bis 1994. Über die Jahre wurden insgesamt 8 012 personen zur verfügang und sieben Schweden kamen um.

Der Kuwait-Krieg

Der Kuwait-Krieg 1990-91 wurde vom Sicherheitsrat autorisiert, doch der Einsatz wurde nicht von den UN geleitet.
Schweden nahm mit einem Feldkrankenhaus mit 525 Personen teil. Es zeigte sich, dass die Zusammensetzung aus zivilem Pflegepersonal ohne militärische Erfahrung und Militärs mit langem Auslandseinsatz gewisse Probleme mit sich brachte. Die schwedische Teilnahme beinhaltete gemäß den Regeln des Völkerrechts, dass zwischen Schweden und dem Irak Kriegszustand herrschte, was weder der Reichstag noch die Regierung eingesehen zu haben scheinen.

Jugoslawien

Der Zerfall Jugoslawiens begann ernsthaft 1991. Nach Volksabstimmungen erklärten sich Slowenien und Kroatien für unabhängig, was zu Gefechten mit serbischen Gruppen in den beiden Ländern und mit Serbien führte. Die Gefechte weiteten sich später nach Bosnien aus.
Im April 1992 sanktionierte die UN eine Schutztruppe für Kroatien um Luftbrücken zu errichten und das Waffenstillstandsabkommen zu überwachen. Die Truppe wuchs nach und nach und die UN operierte auch in Bosnien und Mazedonien. Zu Beginn trug Schweden mit einer Stabskompanie bei, die das Hauptquartier von UNPROFOR in Sarajewo betreute. Nachdem dort Gefechte ausgebrochen waren, wurde der Verband in die Hauptstadt Kroatiens, Zagreb, verlagert. Auf Anfrage der UN beschloss die Regierung im Sommer 1993 der UN ein mechanisiertes Bataillon zur Verfügung zu stellen. Das Bataillon, das u. a. aus drei Panzerschützen-Kompanien, verstärkt um eine dänische Panzer-Kompanie, bestand, wurde um Tuzla im nordöstlichen Bosnien stationiert. Diese schwerere Ausrüstung und bessere Bewaffnung war eine wichtige Trendwende bei den friedenserhaltenden Einsätzen der UN. Das Bataillon erhielt eine schwierige Aufgabe in einem grausamen Bürgerkrieg und erbrachte große Leistungen um bosnische Flüchtlinge zu schützen. Eine schwedische UN-Truppe leistete ungefähr gleichzeitig als Teil eines Bataillons in Mazedonien Dienst und außerdem gab es schwedische Offiziere auf einer Vielzahl verschiedener Posten und bei zahlreichen Aufträgen im ganzen ehemaligen Jugoslawien.

Kongo

Während des Friedensprozesses im Kongo trug Schweden mit Beobachtern und von 2003-04 mit einer Flughafeneinheit bei. Teile dieser Einheit leisteten in Uganda Dienst. Insgesamt leisteten 196 Personen in dieser Einheit Dienst.
Knapp zwei Monaten lang leistete im Jahr 2003 ein Spezialverband im nordöstlichen Kongo Dienst. Der Verband setzte sich aus der Besonderen Schutzgruppe (Särskilda Skyddsgruppen, SSG) und Teilen des Fallschirmjägerausbildungszentrums (Fallskärmsjägarskolan, FJS) in Karlsborg zusammen. Der Verband war Teil einer Truppe unter französischer Führung, deren Aufgabe es war die Ordnung um die Stadt Bunia zu sichern. Die Operation wurde in sehr erfolgreicher Form durchgeführt. Um 90 Schweden nahmen teil.

Liberia

Um den Waffenstillstandsprozess in dem von Bürgerkriegen erschütterten Liberia zu unterstützen wurde dort 2003 eine UN-Truppe stationiert. Zu der Truppe gehörten eine schwedische motorisierte Schützenkompanie und eine Versorgungseinheit. Als das schwedische Engagement 2006 abgeschlossen wurde, hatten 875 Schweden in Liberia Dienst geleistet.

Libanon – Mittelmeer

Unruhen im Libanon und der israelische Angriff im Sommer 2006 führten zu Eingriffen seitens der UN. Zu den Maßnahmen gehörte es zu versuchen, eventuelle Versuche des Waffenschmuggels über das Meer aufzuhalten. Schweden nahm deshalb von Oktober bis September 2006 erstmals mit Marineeinheiten teil um die Aufgabe zu lösen. Zunächst wurde die Korvette HMS Gävle eingesetzt, die von der Korvette HMS Sundsvall abgelöst wurde. Insgesamt leisteten rund 140 Personen in der Operation Dienst.

Tschad

Seit dem Frühjahr 2008 gab es im Tschad eine Schützenkompanie von 208 Personen, die vom Amphibienregiment im Tschad organisiert wird, um die Sicherheit der 400 000, hauptsächlich aus dem Sudan stammenden im Land befindlichen Flüchtlinge zu verbessern. Die Operation war im Herbst 2008 abgeschlossen sein.

Quellen
Utlandsstyrkan i fredens tjänst (Stockholm 2007)
Uppdrag utland (FHS, Stockholm 2007)
Website von Försvarsmakten