Einleitung
Die Geschichte der schwedischen Landesverteidigung hat ihre Wurzeln in der Wikingerzeit, auch wenn es bis zur Mitte des 16. Jahrhunderts dauerte, bis man von einer Armeestruktur in einigermaßen modernem Sinn sprechen konnte. In der zweiten Hälfte jenes Jahrhunderts er-hielt die Landesverteidigung eine Unterteilung in Fähnlein (Fußvolk) und Fahnen (Reiter), was sich später zu einer regionalen Aufteilung, den sog. Landesregimentern, entwickelte.
Unter der Regierungszeit Gustav II. Adolf zu Beginn des 17. Jahrhunderts wurde die Eintei-lung in Regimente festgelegt, die in vielen Fällen bis in unsere Tage existiert hat. Die Solda-ten wurden durch freiwillige Rekrutierung oder über Aushebungen, bei denen jeder zehnte Mann in der Gemeinde zum Kriegsdienst eingezogen werden konnte, rekrutiert. Mit der Ein-führung des Einteilungswerkes („indelningsverket“) durch Karl XI. Anfang der 1680er-Jahre wurde ein neues System geschaffen. Neben der freiwilligen Rekrutierung wurden jetzt die Bauern in den ländlichen Gebieten bereits in Friedenszeiten für die Rekrutierung von Solda-ten verantwortlich und entgingen damit Aushebungen. Höfe von einer bestimmten Größe bil-deten eine sog. Rotte, die einen Soldaten rekrutierte. Der rekrutierte, eingeteilte Fußsoldat erhielt einen bestimmten Lohn und häufig eine Kate zur Verfügung gestellt. Die Reiter wur-den jedoch dadurch rekrutiert, dass man Steuerfreiheit erhielt, wenn man einen Soldaten und ein Pferd im Dienst der Krone aufstellte. Das System des Einteilungswerks wurde zum Rück-grat des Verteidigungsapparats bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Bei Ausbruch des Großen Nordischen Krieges im Jahre 1700 bestand der eingeteilte Teil der Armee aus ca. 35000 Mann, während der angeworbene, in Vollzeit Dienst leistende Teil 30000 Mann zählte.
Nach dem schicksalsschweren Großen Nordischen Krieg dauerte es eine Zeit, bis die Wirt-schaftslage des Reiches Möglichkeit zu einigen militärischen Reformen bot. In der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts entwickelte sich jedoch die Flotte der Armee, die Schärenflotte, die für Gefechte entlang der Küsten bestimmt war. Später wurde eine leichte Kavallerie, Hu-saren, für die Aufklärung organisiert, die Artillerie wurde leichter gemacht und man gab die klassische karolinische Uniform zugunsten der ziemlich unpraktischen gustavianischen auf.
Während der ersten Jahre des 19. Jahrhunderts wurden Strategie und Taktik von den im Gan-ge befindlichen Napoleonkriegen beeinflusst. Der Krieg 1808-09 führte zum Verlust von Finnland und somit eines Drittels der Fläche Schwedens und eines Viertels seiner Bevölke-rung. Die spätere Teilnahme am Krieg gegen Napoleon, 1813, hatte die Bildung einer Perso-nalunion mit Norwegen zur Folge. Die Armee bestand aus ca. 25000 eingeteilten Soldaten und ca. 5000 angeworbenen.
Eine neue Strategie wurde um das Jahr 1820 eingeführt, der sog. Gedanke der Zentralvertei-digung, der darauf aufbaute, dass einem einfallenden Feind gestattet werden sollte, ins Land einzudringen. Nachdem sich die Nachschubsituation des Feindes verschlechtert hatte, sollten schwedische Truppen zum Gegenangriff übergehen. Um einen feststehenden Verteidigungs-punkt zu schaffen, wurde die Festung Karlsborg gebaut, die jedoch nicht eher als in den 1880er Jahren fertiggestellt war.
In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde die Strategie immer mehr hin zu einer Ver-teidigung der Grenzen, einer Peripherie-Verteidigung, verschoben. Das manifestierte sich durch die Anlage der Festung Boden im Jahr 1900 und in der Einführung der allgemeinen Wehrpflicht 1901. Ein Vorläufer der Wehrpflicht wurde freilich bereits 1812 eingeführt und ist im Laufe des 19. Jahrhunderts ausgeweitet worden.
Der erste Weltkrieg brachte weitere Modernisierungen und Erweiterungen mit sich, doch 1925 wurde ein neuer Beschluss hinsichtlich der Verteidigung gefasst, der die Stärke der Ar-mee mehr als halbierte. Eine Trendwende erfolgte nicht eher als 1936, als bestimmte Be-schlüsse für eine Modernisierung getroffen wurden.
Während des zweiten Weltkriegs, der sog. Zeit der Verteidigungsbereitschaft („be-redskapstid“) wurde die Stärke der Armee mit ca. 600000 Mann mehr als verdoppelt. Diese Stärke wurde im Großen und Ganzen in der Zeit des Kalten Krieges beibehalten. In den 1950er-Jahren, der Zeit der Verteidigung gegen eine Invasion, umfassten die Feldverbände der Armee 37 Brigaden, wovon jede 6000 Mann zählte. Jährlich wurden rund 40000 Wehr-pflichtige ausgebildet. Die quantitative Stärke nahm jedoch langsam ab, während gleichzeitig umfangreiche Modernisierungen erfolgten. Nach dem Ende des Kalten Krieges 1989 hat die Verteidigung quantitativ drastisch abgenommen. Eine Verteidigung gegen eine Invasion und einen Kriegsapparat gibt es nicht mehr. Heute sind internationale Aufgaben – friedensbewah-rende oder befriedende – die wichtigsten der Verteidigung. Mehr…